Baldinger
Fastentuch Faces Langenlois

Mittwoch, 22. Februar – Samstag, 7. April 2012
Pfarrkirche St. Laurentius, Kirchenplatz 5, 3550 Langenlois

Bereits seit dem 10. Jahrhundert nach Christus gibt es den Brauch, während der Fastenzeit zwischen Chor und Langhaus ein Fasten- oder Hungertuch (Velum Quadragesimale - Tuch der 40 Tage) anzubringen, und so eine optische Barriere zwischen der Gemeinde und dem Altarraum zu schaffen.
Ab dem 12. Jahrhundert tragen die früher einfarbigen oder ornamental bestickten Stoffe künstlerische Darstellungen, die meist Episoden aus dem Leben Christi zeigen. Oft zerlegten die mittelalterlichen Künstler zur Strukturierung ihrer Bilder-geschichte, der Biblia Pauperum, die große Leinwandfläche in zahlreiche kleinere, durch Stege getrennte Rechtecke.
Das Gurker Fastentuch, eines der bedeutendsten im Alpenraum, 1458 vom Meister Konrad von Friesach fertiggestellt, weist die Besonderheit auf, auch außerbiblische Gestalten, wie Alexander den Großen, Caesar und Augustus darzustellen.

 

Peter Baldinger, Fastentuch Faces Langenlois

 

Peter Baldinger nimmt in seinem Entwurf für das Fastentuch Faces nicht nur die optische Tradition der Bildzerlegung auf, er setzt auch die Idee der profanen Darstellung fort. Nicht die biblischen Vorbilder, nicht heroisierte historische Gestalten, sondern die christliche Gemeinde an sich wird zum Inhalt des Langenloiser Fastentuches. 30 seiner grobgepixelten, anonymen low_resolution_portraits werden zum scheinbar abstrakten Motiv und regen die Phantasie an, laden zur Identifikation ein. Damit gelingt dem Künstler die Umsetzung der Idee von Pfarrer Jacek Zelek, das Christentum in Form der lebendigen Gemeinde darzustellen. Die Ausrichtung der Menschen auf Christus wird durch das Kreuzsymbol gezeigt, das durch die farbliche Absetzung der Stege, die auch Baldingers Einzelbilder trennen, entsteht.